«Wir wollen Concara nachhaltig aufstellen»
Ein Jahr mit grosser Nachfrage und wichtigen Weichenstellungen: 2025 hat die Concara-Gruppe gestärkt. Im Interview sprechen Verwaltungsratspräsident Jörg Rohn und CEO Dani Schibler über Leistungsbereitschaft, Zusammenhalt und den Anspruch, Concara als integrierte Versorgerin zukunftsfähig aufzustellen.
Jörg Rohn, wenn Sie das Jahr 2025 in drei Worten zusammenfassen
müssten – welche wären das und warum?
Leistungsbereitschaft, finanzielle Stabilität und Zusammenhalt: Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen war 2025 sehr hoch – entsprechend gefordert waren unsere Mitarbeitenden. Ich war beeindruckt, mit welchem Engagement sie diese Belastung getragen und gleichzeitig eine konstant hohe Qualität sichergestellt haben. Der Einsatz hat sich gelohnt: Wir haben effizient gearbeitet und ein solides Ergebnis erzielt. Das schafft Spielraum für Investitionen und kommt auch unseren Mitarbeitenden zugute.
Dani Schibler, was hat Sie im Berufsalltag 2025 am meisten beschäftigt?
In den vergangenen Monaten ist es uns gelungen, eine starke Unternehmensleitung aufzubauen. Uns verbindet ein gemeinsames Verständnis zentraler Werte, etwa Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitenden und eine tragfähige Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat. 2025 haben wir diese Werte intensiv diskutiert und in einem gemeinsamen Prozess über die ganze Organisation hinweg harmonisiert.
Welche Entwicklungen im Umfeld haben Concara 2025 am stärksten geprägt?
Die Tarife stehen unter Druck – sowohl in der Langzeitpflege als auch bei der Spitex. Das fordert uns stark. Der Infrastrukturbeitrag des Kantons Bern reicht beispielsweise nicht aus, um alle Kosten zu decken, etwa für Abschreibungen oder Unterhalt. Deshalb sind wir auf Quersubventionierungen aus dem Kerngeschäft angewiesen. Seit 2025 teilen wir den Versorgungsauftrag mit der Spitex Ostermundigen und der Spitex Bantiger. Dies bedingt eine intensive Zusammenarbeit, insbesondere bei Notfällen oder personellen Engpässen.
Wie hat Concara auf diese Herausforderungen reagiert?
Wir wollen Concara nachhaltig aufstellen und gleichzeitig die Erfolge von Domicil und Spitex Bern nutzen – das erfreuliche Ergebnis von 2025 zeigt das grosse Potenzial. Dabei führen wir die Stärken beider Organisationen zusammen, bauen Netzwerke in Politik, Gesundheitswesen und Verbänden auf und positionieren uns als integrierte Versorgerin. So können wir unser internes Fachwissen gezielt einbringen, auch bei politischen Vorstössen oder Brancheninitiativen.
Welche Massnahmen haben 2025 besonders zur Weiterentwicklung beigetragen?
Wir haben insbesondere im Personalbereich mehrere Projekte umgesetzt: Das Konzipieren des gemeinsamen Welcome Days für neue Mitarbeitende von Spitex Bern und Domicil, der im Januar 2026 erstmals durchgeführt wurde. Ich freue mich sehr, wie gut die Teams zusammenwachsen und voneinander lernen. Die Talent Days zur Rekrutierung von Auszubildenden sowie gezielte Kampagnen positionieren Concara zudem als attraktive Arbeitgeberin. Ausserdem entwickeln wir Laufbahnmodelle für alle Berufsgruppen – sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich.
Wo hat der Verwaltungsrat Weichen gestellt, damit die Organisation
erfolgreich handeln konnte?
Die Anpassung der operativen und strategischen Führungsstruktur zahlt sich aus. Concara wird heute von einem einzigen Verwaltungsrat geführt, früher waren es mehrere. Dieser Fokus zeigt Wirkung: Im VR haben wir uns als Team gefunden, diskutieren auch kontrovers, sind uns aber in Werten und Zielen einig. Besonders freut mich die neue Unternehmensleitung. Sie vereint die Kompetenzen, ein Unternehmen dieser Grösse erfolgreich zu führen. Das offene, vertrauensvolle Miteinander macht die Zusammenarbeit angenehm und effektiv.
Welche Veränderungen sind im Alltag für Mitarbeitende und Kund:innen am deutlichsten spürbar?
2025 haben wir bei Domicil die Struktur weiter angepasst. Mehrere Häuser werden jeweils von einer Geschäftsleitung geführt. Die Mitarbeitenden spüren die Veränderungen deutlich: Sie erhalten neue Perspektiven an verschiedenen Standorten und erleben ein stärkeres Wir-Gefühl. Auch die Qualität der Betreuung und Pflege profitiert davon. Bei der Spitex Bern war die Struktur bereits schlank und stabil – hier waren die Veränderungen deshalb weniger ausgeprägt.
Wo sehen Sie das grösste Potenzial für die kommenden Jahre?
Ganz klar, in der integrierten Versorgung. Hier wollen wir unser Angebot weiter schärfen und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern ausbauen. Unsere Kundinnen und Kunden sollen in jeder Lebensphase spüren, dass sie auf die Unterstützung von Concara zählen können. Gleichzeitig möchten wir für unsere Mitarbeitenden zur «Lebensarbeitgeberin» werden und ihnen flexible Karrierewege sowie vielfältige Jobmöglichkeiten anbieten.
Wenn Sie in drei Jahren auf heute zurückblicken – woran erkennen Sie, dass Concara diese Ziele erreicht hat?
Wenn wir als unverzichtbare Anbieterin in der Integrierten Versorgung wahrgenommen werden, wenn unsere Kundinnen und Kunden zufrieden sind und unsere Mitarbeitenden ihre Laufbahn bei uns erfolgreich gestalten können, dann haben wir unseren Job richtig gemacht. Bei unserer Grösse braucht es jedoch Zeit, diese Ziele umzusetzen. Mir ist es wichtig, dass wir die Mitarbeitenden mit auf die Reise nehmen – die Voraussetzungen dafür sind jetzt geschaffen.